Aktivität in Dänemark und Deutschland...

Das deutsch-dänische Grenzland heute
 

Das deutsch-dänische Grenzland entspricht in der Ausdehnung dem früheren Herzogtum Schleswig. Im Süden wird es durch den Fluß Eider, im Norden durch die Königsau begrenzt. Etwa in der Mitte dazwischen verläuft die Landesgrenze zwischen dem Königreich Dänemark und der Bundesrepublik. Der südlich der Grenze gelegene deutsche Teil wird Südschleswig genannt, der nördliche dänische Teil Nordschleswig, von den Dänen als Sønderjylland bezeichnet.

Die große Besonderheit des Grenzlandes sind die Minderheiten. Die deutsche Minderheit in Dänemark umfasst etwa 20.000 Personen, die dänische Minderheit in Deutschland zählt etwa 50.000 Angehörige. Hinzu kommt die friesische Minderheit mit rund 10.000 Sprechern der friesischen Sprache. Die Minderheiten bewirken, dass es in der Region eine Sprachenvielfalt gibt, die fast einzigartig ist. Auf engstem Raum werden fünf Sprachen gesprochen: Hochdeutsch, Plattdeutsch, Hochdänisch, Plattdänisch und Friesisch. Die Minderheiten haben sich vor allem für die kulturelle und politische Arbeit ihre eigenen Institutionen geschaffen. Dazu zählt neben eigenen Tageszeitungen, "Flensborg Avis" und "Der Nordschleswiger" ein gut funktionierendes Privatschulwesen nördlich und südlich der Grenze. Politisch lassen sich die Nord- und Südschleswiger von eigenen Parteien vertreten. In Deutschland bekannt ist der Südschleswigsche Wählerverband (SSW) für die Dänen, der in Deutschland von der 5%-Hürde befreit ist und z. Zt. mit drei Mandaten im schleswig-holsteinischen Landtag vertreten ist. Die Minderheiten haben heute eine wichtige Brücken- und Mittlerfunktion zwischen Deutschland und Dänemark. Dementsprechend werden sie von ihren eigenen Mutterstaaten finanziell unterstützt.

Seit den Bonn-Kopenhagener Erklärungen 1955 gibt es vielfältige Bemühungen, das deutsch-dänische Verhältnis zu verbessern. Entscheidende Impulse für eine verstärkte grenzüberschreitende Zusammenarbeit gingen in neuerer Zeit vom EU-Regionalprogramm "INTERREG" aus. Mit dem im September 1989 entstandenen Begleitausschuß wurde erstmals ein grenzüberschreitendes Gremium eingerichtet, das Sonderzuweisungen aus den EU-Regionalfonds verteilen konnte. Seit dem Start des europaweiten Programms "INTERREG I" im Jahre 1991 wurden 19 Projekte im deutsch-dänischen Grenzland mit rund 2 Mio. DM gefördert. Mit dem "INTERREG II"-Programm standen bis 1999 insgesamt 21 Mio. DM für die Region zur Verfügung.

Um die Zusammenarbeit zu intensivieren und feste Strukturen zu schaffen, schlug der schleswig-holsteinische Europaminister Gerd Walter 1995 erstmals eine grenzüberschreitende Regionalversammlung vor. Nach langwierigen Verhandlungen einigte man sich auf die Schaffung einer grenzüberschreitenden Region, deren beschlussfassendes Organ der 42-köpfige Regionalrat ist. Die Region besteht aus dem Amt Sønderjylland auf dänischer Seite und den Kreisen Nordfriesland und Schleswig-Flensburg sowie der Stadt Flensburg. Die politische Gliederung nördlich und südlich der Grenze ist völlig verschieden: In Dänemark wird die Region durch 23 Kommunen und einem Amt gebildet, auf deutscher Seite durch 2 Kreise und 275 Kommunen. In der Region leben rund 680.000 Einwohner, davon 250.000 auf dänischer Seite.

Grundlage der regionalen Zusammenarbeit ist die "Europäische Charta der Grenz- und grenzüberschreitenden Regionen". Für das deutsch-dänische Grenzland war daher zunächst der Name "Euroregion Schleswig" vorgesehen. Nach deutlicher Kritik aus Dänemark einigte man sich schließlich auf den Namen "Region Schleswig/Sønderjylland".

Nachdem die Pläne für die neue Region bekannt wurden, regte sich massiver Protest in Dänemark. Längst als überholt geglaubte Vorurteile kamen plötzlich zum Vorschein. Auf dänischer Seite gab es Befürchtungen vor einer heimlichen Grenzverschiebung und einem zu großen Einfluß Deutschlands auf den "kleinen Nachbarn". Eine Bürgerliste, die bei den Kommunalwahlen im November 1997 auf Anhieb in den nordschleswigschen Amtsrat einziehen konnte, malte das Szenario eines Europa der Regionen und damit die langfristige Abschaffung der Nationalstaaten an die Wand. Zeitweise eskalierte der Protest: Dem damaligen Amtsbürgermeister von Sønderjylland, Kresten Philipsen, wurden die Reifen seines Autos zerstochen, er bekam Drohbriefe.

Inzwischen hat sich die Situation in der Region wieder entspannt, die Region und die Arbeit seiner Gremien hat sich etabliert. Doch das vielgerühmte Grenzlandmodell hat deutliche Kratzer abgekommen. Es wird abzuwarten sein, wie sich die zukünftige Situation in der Region entwickelt.


Die Geschichte des deutsch-dänischen Grenzlandes

Europaweit gilt das Zusammenleben im deutsch-dänischen Grenzland als vorbildlich und ist unter dem Namen "Modell Schleswig" bekanntgeworden. Doch auch die Grenze an der Brücke zu Skandinavien ist nicht frei von Spannungen. Warum das so ist, erklärt ein Blick in die Geschichte des Grenzlandes.

Das Herzogtum Schleswig entstand im 12. Jahrhundert und gehörte bis 1864 zum Gesamtstaat Dänemark. Seit dem Vertrag von Ripen 1460 bestanden enge Verbindungen zwischen den herzogtümern Schleswig im Norden und Holstein im Süden. Deutsche und Dänen lebten 400 Jahre überwiegend friedlich im Herzogtum Schleswig nebeneinander.

In der Zeit nach dem Wiener Kongreß 1815 regten sich überall in Europa nationale Freiheitsbestrebungen, an denen besonders die Studenten beteiligt waren. Die Bestrebungen zur Schaffung von Nationalstaaten griffen auch auf Schleswig-Holstein über. Hier standen sich vor allem zwei Parteien gegenüber: Zum einen die deutschgesinnten Schleswig-Holsteiner, die eine Aufnahme Schleswigs in den Deutschen Bund und damit ein einheitliches Gebilde Schleswig-Holstein forderten, zum anderen die sog. Eiderdänen auf dänischer Seite, die eine direkte Anbindung Schleswigs an Dänemark forcierten. In der schleswig-holsteinischen Erhebung 1848-1851 kam es zu blutigen Auseinandersetzungen. Trotz der Unterstützung durch preußische Truppen scheiterte der Aufstand der deutschgesinnten Schleswig-Holsteiner.

Auf Initiative des preußischen Ministerpräsidenten Otto von Bismarck besetzten preußische und österreichische Truppen Dänemark. Durch den entscheidenden Sieg über die Dänen auf den Düppeler Schanzen bei Sonderburg am 18. April 1864 wurden die Herzogtümer Schleswig und Holstein in gemeinsamer Verwaltung an Preußen und Österreich abgetreten. Durch den preußisch-österreichischen Krieg 1866 erhielt Preußen nunmehr die beiden Herzogtümer Schleswig und Holstein. Diese wurden ab 1867 preußische Provinzen und damit ab 1871 Bestandteile des Deutschen Reiches.

Am 10. Februar und am 14. März 1920 fand gemäß dem Versailler Vertrag eine Volksabstimmung über den Verlauf der deutsch-dänischen Grenze statt. In der Zone I, nördlich der heutigen Grenze, wurde èn bloc, in der südlichen Zone gemeindeweise abgestimmt. In der Zone I stimmten 75% für Dänemark, so daß der nördliche Teil Schleswigs an den dänischen Staat überging. Wegen des Wahlmodus fiel auch die in der Zone I gelegene Stadt Tondern, in der mehrheitlich für Deutschland gestimmt wurde, an Dänemark. Der mit erbittertem nationalen Einsatz geführte Abstimmungskampf verhinderte in den nachfolgenden Jahren die gegenseitige Anerkennung. Dennoch hat die Grenze bis heute Bestand.

Am 9. April 1940 besetzten deutsche Truppen Dänemark. Die enge Verbindung von Teilen der deutschen Minderheit mit der deutschen Besatzungsmacht belastete auch noch weit nach Ende des Krieges das deutsch-dänische Verhältnis.

Im Vorfeld des geplanten deutschen Nato-Beitritts wurden am 29. März 1955 die Bonn-Kopenhagener Erklärungen unterschrieben. Die richtungsweisenden Erklärungen sicherten die Rechte der jeweiligen nationalen Minderheiten und gelten als Basis für die heutige deutsch-dänische Zusammenarbeit.

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Stand: November, 07