Das Kyffhäuserdenkmal

Der Kyffhäuser, ein kleines Gebirge im Norden Thüringens, hat für die Vereine Deutscher Studenten eine besondere Bedeutung. An dieser Stelle wurde am 8. August 1881 der Verband der Vereine Deutscher Studenten gegründet.

Kyffhäuserdenkmal

Am Fuße eines großen, weithin sichtbaren Denkmals auf dem Kyffhäuser erichteten VDSter 1896 den Botschaftsdenkstein. Der Gedenkstein war eine Reaktion auf die soziale Botschaft Kaiser Wilhelm I. vom 17. November 1881, welche die spätere Bismarcksche Sozialgesetzgebung der nächsten Jahre einleitete. Die kaiserliche Botschaft gilt als Grundstein der deutschen Sozialpolitik. Mit dem Gedenkstein auf dem Kyffhäuser wollten die VDSter ihre Unterstützung für die Lösung der sozialen Frage deutlich machen.

Der Gedenkstein zur Erinnerung an die
kaiserliche Botschaft zur Sozialgesetzgebung
vom 17.November 1881

Der Text des Gedenksteines:

"Wir halten es für Unsere Kaiserliche Pflicht dem Reichstag die positive Förderung des Wohles der Arbeiter von neuem ans Herz zu legen und dem Vaterlande neue und dauernde Bürgschaften seines inneren Friedens und den Hilfsbedürftigen größere Sicherheit und Ergiebigkeit des Beistandes, auf den sie Anspruch haben, zu hinterlassen. Für diese Fürsorge die rechten Mittel und Wege zu finden, ist eine schwierige, aber auch der höchsten Aufgaben des Gemeinwesens, welches auf den sittlichen Fundamenten eines christlichen Volkslebens besteht. Der engere Anschluß an die realen Kräfte dieses Volkslebens wird, wie Wir hoffen, die Lösung auch von Aufgaben möglich machen, denen die Staatsgewalt allein im gleichen Umfange nicht gewachsen sein würde.

Wilhelm
Kaiserbotschaft vom 17. Nov. 1881
errichtet 1896, erneuert 1993 vom
Verband der Vereine Deutscher Studenten (VVDSt)
"


Der Gedenkstein am Kyffhäuser hat aber nicht nur historische Bedeutung. Die Lösung sozialer Probleme in unserer Gesellschaft ist aktueller denn je. Um dies deutlich zu machen, rief der Vorstand des Verbandes der Vereine Deutscher Studenten 1997 in einem Preisauschreiben dazu auf, einen neuen, auf unsere Zeit bezogenen Text für den Botschaftsgedenkstein zu formulieren. Mit seinem Textvorschlag gewann der VDSt Kiel-Greifswald den ersten Preis. Der nachfolgende Text wurde am 6. Juni 1998 in einer Kasette in Anwesenheit des Präsidenten des thüringischen Landtages in der Nähe des Gedenksteines für nachfolgende Generationen vergraben.

Der Text eines neuen fiktiven Gedenksteins lautet wie folgt:

Wir appellieren an alle Verantwortlichen im wiedervereinigten Deutschland, sich auf die grundlegenden Werte der Sozialen Marktwirtschaft zu besinnen, um Arbeitslosigkeit und soziale Not wirksam zu bekämpfen.
Gefragt ist die sozial verpflichtete Marktwirtschaft, die das einzelne Individuum wieder zur Geltung kommen läßt, die den Wert der Persönlichkeit oben an stellt und der Leistung den verdienten Ertrag zugute kommen läßt. Ein Staat, der alles zu regeln beansprucht, entmündigt seine Bürger. Sozial sein heißt in erster Linie, selbst Verantwortung zu übernehmen. Wer sich selbst aber nicht mehr helfen kann und damit wirklich bedürftig ist, dem soll die Solidarität und Fürsorge des Gemeinwesens zugute kommen.
Nur auf dieser Grundlage werden wir die sozialen Probleme der Gegenwart und der Zukunft für nachfolgende Generationen im zusammenwachsenden Europa dauerhaft lösen können!
Verband der Vereine Deutscher Studenten (VVDSt) im Jahre 1998”


Mit dieser Formulierung beziehen wir uns auf die Ideen des "Vaters des deutschen Wirtschaftswunders", dem überzugten Marktwirtschaftler Ludwig Erhard. Der Text ist ein Bekenntnis zum Grundgedanken Erhards: Das Prinzip der Freiheit mit dem des sozialen Ausgleichs und der Verantwortung des einzelnen dem Ganzen gegenüber zu verbinden. Mit dieser Überzeugung wurden vor vierzig Jahren die marktwirtschaftlichen Kräfte im zerstörten Deutschland entfacht und damit die Grundlage unseres heutigen Wohlstands geschaffen. Die soziale Marktwirtschaft im Erhardschen Sinne ist unbestritten eine Erfolgsgeschichte. Mit einer Staatsquote von über 50%, scheinbar nicht mehr aufzuhaltenden Sozialausgaben und einer überbordenen Regulierungswut entfernen wir uns heutzutage immer mehr von diesem Ideal - Ludwig Erhard würde sich im Grabe umdrehen! Besinnen wir uns stattdessen den Fähigkeiten des einzelnen und stärken die Ideen Ludwig Erhards!

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Stand: November, 07