VDSt Kiel

korporativ - sympathisch- traditionsbewußt

Geschichte des VDSt Kiel PDF Drucken E-Mail

Der Verein Deutscher Studenten Kiel kann auf eine rund 130-jährige Geschichte zurückblicken. Dabei spiegeln sich die Höhen und Tiefen der neueren deutschen Geschichte auch in der Geschichte unserer Verbindung wider.

 

Gründerzeit
Der Verein Deutscher Studenten Kiel wurde am 3. Juni 1881 gegründet und umfasste auf Anhieb 32 Mitglieder, damals 11% aller Studenten Kiels. Diese Mitgliederstärke erklärt sich mit dem damaligen Anspruch des VDSt: Man wollte nicht irgendein spezifischer Verein in der Studentenschaft sein, sondern "die deutsche Studentenschaft selbst" repräsentieren. So lag es nahe, die damaligen Farben des Reiches schwarz-weiß-rot als Vereinsfarben zu wählen.

Gründungsmotiv war wie auch bei den anderen Vereinen Deutscher Studenten in ganz Deutschland die Überwindung der politischen Gleichgültigkeit der Studentenschaft. Ziel war es, der äußeren Einigung Deutschland zehn Jahre zuvor auch eine innere Einigung folgen lassen. Einen entscheidenden Stellenwert räumten die VDSter der sozialen Frage zu. Die Verbundenheit mit der Bismarck’schen Sozialgesetzgebung wurde durch die Aufstellung eines Gedenksteines am Kyffhäuser - dem Gründungsort des Verbandes der Vereine Deutscher Studenten - gezeigt. Der Gedenkstein mit der kaiserlichen sozialen Botschaft, die als Grundlage für unser heutiges soziales Sicherungssystem gilt, steht noch heute an dieser Stelle.

Die Anfangszeit der VDSt-Bünde war auch geprägt von der so genannten Antisemitenpetition von 1880, die von etwa 40% der Professoren und Studenten unterstützt wurde. Die Verbindung des VDSt mit den antisemitischen Bestrebungen in der Gründerzeit stellt das dunkelste Kapitel in der Geschichte der Vereine Deutscher Studenten dar und hat gerade nach dem 2. Weltkrieg zu einer intensiven Auseinandersetzung mit dieser Thematik geführt.

Der VDSt in Kiel entfaltete nach anfänglichen Schwierigkeiten ein reges Leben: Der Altherrenbund, die Vertretung der im Beruf stehenden Mitglieder, wurde 1888 gegründet, eine Geschäftsordnung wurde angenommen und durch Vorträge und andere Veranstaltungen wirkte der Verein auch in der Öffentlichkeit. Allmählich wandelte sich der politische Verein zu einer Verbindung, die das Lebensbundprinzip betonte.

1892 musste der Bund auf Zeit suspendiert werden, da Kiel nur eine "Sommeruniversität" war und die Studenten aus dem Süden nur das Sommersemester in Kiel verbrachten. Erst im Wintersemester 1898 entstand der VDSt Kiel wieder neu.

Der Gegensatz von Winter- und Sommersemester wurde nach der Jahrhundertwende langsam überwunden, die Mitgliederzahlen stiegen und der Bund festigte sich. 1913 wurde ein eigenes Haus in der Beselerallee erworben. Unter den Studenten erfuhr der VDSt große Beachtung, als er im gleichen Jahr den Vorsitz im Studentenausschuss übernahm.

 

Der Erste Weltkrieg
Der Erste Weltkrieg legte das Leben im VDSt-Bund weitgehend still. Die anfängliche Kriegsbegeisterung unter den VDStern wich schnell einer Ernüchterung. Viele VDSter starben in den Schützengräben und Schlachtfeldern.

 

Weimarer Republik
Nach dem ersten Weltkrieg festigte sich das VDSt-Leben langsam wieder. An der Volksabstimmung 1920 über die deutsch-dänische Grenze nahm man mit großem Engagement teil. Seit dieser Zeit bestehen enge Verbindungen zur deutschen Minderheit in Dänemark, die durch die Grenzziehung entstand. Der einzige Abgeordnete der deutschen Minderheit im dänischen Parlament 1921-1932, Pastor Schmidt-Wodder, war Kieler Alter Herr.

 

Nationalsozialismus
Mit dem Niedergang der Weimarer Republik ging auch der Niedergang des Kieler VDSt einher. 1933 wurde der Bund mit anderen Verbindungen in die NS-Kameradschaft "Otto Weddigen" zwangszusammengeschlossen. Zwar wurde noch versucht, das ursprüngliche Verbindungsleben im kleinen Kreise weiterzuführen, aber die völlige Umgestaltung der politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse ließ dies nicht mehr zu. Der Verband der Vereine Deutscher Studenten wurde auf Druck der Nationalsozialisten 1938 endgültig aufgelöst.

Die Einstellung der VDSter zum Nationalsozialismus war gespalten: Einerseits gab es Verfechter der Ideologie, andererseits kamen auch VDSter aus dem Widerstand gegen das Dritte Reich. Einer der bekanntesten unter ihnen war der Pfarrer Otto Dibelius, der als Alter Herr in Berlin den Widerstand für die Bekennende Kirche führte.

Das Haus des VDSt Kiel in der Beseleralle wurde im 2. Weltkrieg zerbombt und nicht wieder aufgebaut.

 

Die Bundesrepublik
Erst im Wintersemester 1951/52 wurde der Kieler Bund wiedergegründet. Als Quartier diente die an der Förde gelegene "Seeburg" am Düsternbrooker Weg.

Mit dem Wirtschaftswunder der Nachkriegszeit erlebte auch der Kieler VDSt einen deutlichen Aufschwung. Ganz anders erging es dem Greifswalder VDSt. Verbindungen waren in der DDR verboten, so daß sich der Greifswalder Bund nicht wiedergründen konnte. Den Greifswalder Mitgliedern bot man mit dem Kieler VDSt eine neue Heimat an. Dadurch erklärte sich auch der Name VDSt Kiel-Greifswald, der bis zum Jahre 2007 beibehalten wurde. Auf Grund der wachsenden Mitgliederzahl erwarb man 1973 ein Haus in der Moltkestraße.

Einen weiteren Bezugspunkt für den VDSt stellt der Segelsport in Kiel dar. Seit den 1930er Jahren wurde in Greifswald mit eigenen Yachten gesegelt, ab 1954 auch in Kiel. Leider steht dem VDSt Kiel momentan kein Boot zur Verfügung, über eine Neuanschaffung bei Interesse in der Aktivitas wird nachgedacht.

 

Wiedervereinigung bis heute
Entsprechend des Satzungszieles, die deutsche und europäische Einigung voranzutreiben, wurde Ende 1989 der Kontakt mit Greifswald neu belebt. Der Greifswalder VDSt wurde als erste Verbindung in den fünf neuen Bundesländern am 28. April 1990 wiedergegründet. Seitdem bestehen enge Kontakte zwischen dem Kieler und Greifswalder Bund. Die Eigenständigkeit des Greifswalder Bundes ist vollzogen, weswegen sich die Kieler Aktivitas im Sommersemester 2007 entschied den Beinamen "-Greifswald" zum 01.10.2007 abzulegen. Die enge Verbundenheit der Bünde Kiel und Greifswald blieb jedoch erhalten. Kieler und Greifswalder Aktive hatten sich in diesem Sinne entschieden den Vorort für den Zeitraum 2008/2009 zu stellen.

 

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